Oldtimerbusse Bus Restauration
Zu allererst solltet Ihr Euch bei diesem Thema damit aueinandersetzen, daß einen Bus zu restaurieren eine kleine Lebensaufgabe ist. Mein Traum eines restaurierten Busses begann wie bei den meisten mit Bildern eines wunderhübschen Setra S 6. Diesen vor Augen habe ich beim Kauf meines Busses gar nicht mehr so genau hingeschaut, ich habe etwas übereilt gekauft und nach und nach festgestellt, wie schlecht er wirklich beieinander war.
Das Bild war hübsch, die Realität sieht oft anders aus, Ihr müßt wissen, diese Fahrzeuge sind richtig rangenommen worden, Nutzfahrzeuge waren auch damals schon zum Nutzen und nicht zum liebhaben. Paßt beim Kauf also gut auf oder nehmt jemanden mit, der ein wenig auf Euch acht gibt.
Ihr merkt, es geht erst einmal mit dem Unangenehmen los, das schöne folgt dann noch, wenn Ihr jetzt noch nicht entmutigt seid.
Dann sollte man bedenken, es ist eine sehr kleine Szene, die Auswahl an Teilelieferanten oder Helfern ist sehr klein und überschauhbar, was gute und auch schlechte Seiten hat. Man kann sich die einschlägigen Adressen relativ einfach besorgen und dann prüfen, ob die Welt die Deine ist. Nicht jeder ist ein Einzelkämpfer ...
Dann sollte es einen Platz geben, an dem Ihr Eure Arbeit auch einmal liegen lassen könnt, ohne Druck zu haben fertig werden zu müssen. Auch sollte dieser bezahlbar sein, was die Miete anbelangt. Das hat mir immer sehr geholfen, wenn ich einmal keine Lust mehr hatte, habe ich ein Projekt auch für längere Zeit ruhen lassen, um später wieder mit Elan zu Werke zu gehen. Ein ganz wichtiger Tip.
Dann kommen wir zum praktischen Teil. Das Wichtigste: Wenn man ein wenig begabt ist in praktischer Hinsicht und die Ruhe hat beim arbeiten, gelingt alles irgend wann. Laßt Euch Zeit und Ruhe, wenn Ihr diese nicht habt, laßt Zeit vergehen, bis Ruhe zurückkehrt. Dann weitermachen.
Schritt 1: Grobe Sichtung.
Zu allererst sollte es darum gehen, wie schlecht ist mein Fahrzeug beieinander. Auch hier empfiehlt es sich, einen Erfahrenen mitzunehmen auf die Reise, der kann Dinge sehen, die ein Beginner nicht einschätzen kann. Die meisten Probleme sind beim Bus im Verborgenen (z.B. unter der Seitenbeblechung). Oder unter dem Fußboden oder im Mitteltunnel oder, oder, oder ...
Fragt schon beim ersten Kontakt nach, ob es möglich ist, unter die Seitenverkleidung zu schauen oder den Mitteltunnel zu öffnen oder den Bus von unten z.B. auf einer Grube zu sehen. Wenn jemand ehrlich ist und es so meint wird er niemals eine Möglichkeit verweigern und Euch bei der Einschätzung unterstützen. Technisch kann man einen Pflegezustand sehr leicht daran erkennen, wie gängig die Schmiernippel sind. Macht Euch die Mühe und schmiert den Bus einmal ab, wenn es darüber keinen ausreichenden Nachweis gibt. Die Guten in der Szene werden glaubhaft versichern, daß regelmäßig abgeschmiert worden ist. Motor ist durch eine Ölanalyse leicht auf Zustand und Verschleiß zu untersuchen. Getriebe sollte geräuschfrei arbeiten, Gänge sollten unter Last nicht herausspringen. Bremsen sollten unter Lastprüfung nicht die Spur verlassen, es sei denn, der Bus stand lange. Dann sollte dies nach längerer Fahrt wieder gehen.
Differential sollte geräuschfrei sein und nicht singen. Nichts ist schlimmer als auf langen Fahrten dieses Singen zu ertragen.
Schritt 2: Wo soll die Reise hingehen?
Welchen Zustand brauche ich für meine Bedürfnisse, wie wichtig ist mir die Meinung anderer, was das Posing anbelangt? Ihr solltet Euren Weg gehen, wenn man z.B. ein Wohnmobil bauen möchte, dann ist es für meinen Geschmack absolut ausreichend, den Bus erstmal technisch in einen guten Zustand zu versetzen und das Blech so weit herzurichten, daß der TÜV und das H zu erlangen sind. Und dann erstmal reisen und sehen, ob einem diese Art überhaupt gefällt. Wenn man wie ich die Busse im Reiseverkehr einsetzt, sollte es etwas mehr sein, ich wollte immer wissen, was da unter mir rollt, da reicht es für meinen Geschmack (und den der Gäste) nicht mehr aus , nur technisch gut dazustehen, da muß es etwas mehr sein. Wie Ihr seht, ein wichtige Frage.
Am Wichtigsten aber: Was sind Eure Bedürfnisse und Möglichkeiten. Mir hilft dabei immer aufschreiben.
Schritt 3: Zerlegen
Nun tritt die Wahrheit zu tage, nun erblickt zum ersten Mal der wahre Rahmen der Arbeit das Licht der Welt. Solltet Ihr jetzt Zweifel haben, wieder jemanden um Rat fragen, jemanden, der schon einmal so etwas gemacht hat. In meinem Freundeskreis sind ein paar Leute, die gut beraten konnten, weil sie selber schon einmal ein größeres Projekt gemacht haben. Einen Kostenrahmen festzusetzen, ist wahnsinnig schwer, in meinen Drögmöller sind 3500 Arbeitsstunden geflossen. In meinen Setra S 6 ca 2000. Wenn Ihr so etwas wollt, spielt das keine große Rolle, ich kann Euch nur sagen, daß das Leben sich nun spätestens ändern wird, wenn Ihr weitermacht.
Schritt 4: Aufbauen
Nun folgt das, was am Schwersten ist, zumindestens, was das Durchhalten anbelangt. Aller Gammel muß raus, alle Rohre mit Durchrostungen müssen getauscht werden, Rahmen muß an bestimmten Stellen abgestützt werden, bevor man heraustrennt, sonst "entwischen" Euch die Maße beim Wiederaufbau. Auf die Rohre achten, die gebogen sind, unbedingt aufheben, damit ein Bieger einschätzen kann, wie stark die Krümmung ist. Beim S6 z.B. verjüngt sich die Karosse nach hinten und nach unten, das ist wichtig für die Wiederherstellung der originalen Optik, sonst sieht Euer Bus womöglich aus wie ein Robur ...
Wenn Ihr damit fertig seid, dann ist ein riesen Teil geschafft. Das ist das Schwerste. Nun kommt als nächstes
Schritt 5: Beblechen
Auf den hoffentlich richtig überholten Rahmen wird nun eine neue Blechhaut gespannt, Ihr müßt Euch vorstellen, daß das wie eine Haut ist im übertragenen Sinne, entsprechend gut muß die Vorarbeit sein. Sollte der Rahmen nicht fluchtig sein, sieht man das bei der Beblechung.
Es gibt dabei 2 grundsätzlich verschiedene Verfahren: Eines spannt die Blechhaut auf den Rahmen (vorne festmachen und nach hinten ziehen oder umgekehrt), das andere spannt auf einem entsprechenden Gegenstück vor und wird dann erst auf den Rahmen gebracht und fixiert. Das 2. Verfahren geht natürlich nur bei gerader Karosse, beim S6 geht das nach Verfahren 1. Die Fixierung hängt ab vom Material der Blechhaut, bei Alu sollte der Kontakt von Stahlrahmen zur Haut vermieden werden, sonst erzeugt Ihr eine Art Danielelement. Dazu wird am besten geklebt und entsprechend der Rahmen vorbehandelt. Bei verzinkten Häuten ist es ähnlich, aber in gewissem Sinne eine Glaubensfrage.
Schritt 6: Lackieren / konservieren
Zu diesem Punkt nur soviel: Sucht nach einem Lackierer, der sein Handwerk versteht, ein gutes Ergebnis hängt von guten Vorarbeiten ab, von glatter und gerader Blechhaut und vom geringstmöglichen Einsatz von Spachtel. Bei der Gestaltung gibt es genügend Originalmaterial auf dem Markt, nach dem man sich richten kann. Aber auch da ist es wichtiger, daß Ihr Eurer Linie treu bleibt und Euer Auto baut, es kann ja schlecht sein, daß Ihr Euch ein Schneckenhaus auf Rädern baut, Euer Leben danach einrichtet und dann nur das macht, von dem andere denken, daß es richtig ist. Ihr sollt oder sogar müßt es Euch schön machen, nur dann kommt man zum richtigen Weg.
Schritt 7: Zusammenbauen
Je nachdem, wie weit Ihr Euer Fahrzeug zerlegt habt muß nun das Ganze zurückgebaut werden und innen z.B. muß man mit neuem Holz verkleiden (sowohl die Seitenverkleidung als auch die Holme bis unter das Dach, denn das Holz ist selten noch gut. Konserviert die freiliegenden Holme, bevor zugemacht wird, dann habt Ihr weniger Streß in der Zukunft. Bei Wachs: Viel hilft viel, nach der Behandlung nur gut ablaufen lassen, sonst habt Ihr den Geruch noch nach 10 Jahren im Auto. Alu muß poliert werden, alle Anbauteile der frühen Setras sind aus Alu und an allen hat der Zahn der Zeit genagt. Achsen, die Ausgebaut waren sollten gesandstrahlt, lackiert und konserviert werden.
Schaltgestänge neu lagern hilft beim späteren Schalten, alle Leitungen und Schläuche sollten neu, Reifen ist auch so eine Sache: Schlauchlos oder nicht: alle sagen, daß es ein großer Unterschied ist, ohne zu fahren, was einerseits an der besseren Wuchtbarkeit liegt, andererseits daran, daß die meisten Achsen ausgenudelt sind und somit spiel lassen zum "eiern". Ich habe mich beim S6 zu schlauchlos entschieden, weil es damals die einfachere Methode schien, aber beim S 14 fahre ich immer noch mit Schläuchen genauso gut.
Schritt 8: Technische Angleichung
Einen Gedanken wert sein sollte dieser Punkt, manchmal noch vor dem Zusammenbauen: Wie und wohin möchte ich reisen, wieviel Zeit habe ich dafür und welchen Verkehr finde ich vor? Die alten Schätze sind meistens mäßig motorisiert und beim Einfädeln in den heutigen Verkehr merkt man sehr schnell, wie wichtig Leistung ist. Ich fahre gerne mit, als mein Setra noch die alte Henschelmaschine drin hatte, war ich sehr langsam unterwegs und hatte in den Kasseler Bergen Schwierigkeiten bei den Steigungen. Mit 30 km/h die steilste Stelle zu fahren und von allen LKW's überholt zu werden, selbst von den russischen fand ich überhaupt nicht lustig. Da macht das Fahren mit dem jetzigen Motor deutlich mehr Spaß und auf die Investition kam es auch nicht mehr an.
Wenn Ihr jetzt einen Service wollt, der Beratung, Findung, Sichtung, Wiederaufbau, Technische Angleichung, komplette Restaurationen, Beblechung, Innenraumgestaltung bietet, dann fühle ich mich geehrt, wenn Ihr diesen bei mir in Anspruch nehmt. Seid gewiß, daß ich es ehrlich meine, immer. Ich rate durchaus auch von Projekten ab.